Görlitz hat eine neue Puppenspielerin
von Ines Eifler
Anne Swoboda ist nach 25 Jahren zurück in ihrer Heimatstadt und eine kulturelle Bereicherung.
Mit einem riesigen Aquarium, einer Sardinenbüchse, die sich in Wünsche verwandelt, und einer großen Frage an die Kinder beginnt die Puppenspielerin Anne Swoboda ihren Auftritt in Görlitz. Ihr vielgelobtes Stück „Vom Fischer und seiner Frau“ bekam 2004 den Berliner Ikarus-Preis als „herausragende Inszenierung für Kinder und Jugendliche“. Nun ist es ab 14. März 2012 an drei Tagen im Apollo zu sehen.
Anne Swoboda hat 25 Jahre lang in Berlin gelebt, dort nach dem Studium mit verschiedenen Theatern, später freiberuflich gearbeitet, große Erfolge gehabt, aber auch wenig Zeit. „Berlin ist aufregend und inspirierend“, sagt die 43-Jährige, „aber es kann auch zu viel werden.“ Deshalb ist sie vor einem halben Jahr in ihre Heimatstadt Görlitz zurückgekehrt. Sie suchte etwas Abstand von der Großstadt, einen Ort ohne Flugzeuglärm, wo alles etwas langsamer geht. Eine Stadt, in der ein ruhigeres Leben und nachhaltigeres kulturelles Arbeiten möglich ist als in Berlin, wo vieles flüchtig ist und schnell „verfließt“.
Unabhängig in Görlitz leben
Sie hatte auch Süddeutschland und das Ruhrgebiet im Blick, schaute sich aber genauso an, was ihre Heimatstadt an Lebensqualität zu bieten hat. „Die Stadt und die Gegend sind sehr schön, hier leben auch meine Eltern“, sagt Anne Swoboda, „und ich habe das Glück, nicht von meiner Arbeit in Görlitz leben zu müssen.“ Vielmehr hat sie deutschlandweit Aufträge in drei Arbeitsfeldern: Als Puppenspielerin tritt sie mit den Stücken ihres „Theaters 7schuh“ auf. Bei Produktionen anderer Theater führt sie Regie. Und sie gibt Seminare für Figurentheater und Theaterpädagogik.
Mehr Kleinkunst für die Stadt
Um an die verschiedenen Arbeitsorte zu gelangen, braucht sie zwar länger als bisher, oft einen ganzen Tag, aber das gehört zu der Ruhe, die sie wollte. Außerdem hat sie die Erfahrung gemacht, dass Kollegen, mit denen sie ein Stück erarbeitet, auch gern zu ihr nach Görlitz kommen. Im Januar hat sie hier schon für zwei Produktionen geprobt.
Neben ihren Aufträgen im ganzen Land möchte Anne Swoboda auch in Görlitz etwas aufbauen. An der Hochschule Zittau/Görlitz bietet sie theaterpädagogische Kurse für Leute in sozialen Berufen an und gibt Impulse für die frühkindliche Theaterbildung. Grundschullehrer, Kindergärtnerinnen und Horterzieher sind zum Beispiel dazu eingeladen. Im Rahmen eines Projekts mit dem Europahaus wird sie mit deutschen und polnischen Schülern ein Puppenstück mitsamt Bühne und Figuren entwickeln. Und natürlich möchte sie ihre eigenen Stücke in Görlitz zeigen.
Was sie auf längere Sicht sucht, ist ein Atelier, eine Bühne, eine Spielstätte: einen Raum, in dem sie Stücke einstudieren kann, aber der sich auch für Publikum öffnen lässt. Anne Swoboda glaubt, dass Görlitz noch ein gutes Stück Kleinkunst vertragen kann, und freut sich darauf, Kindern genau so wie Erwachsenen jeden Alters vieles bieten zu können. Aber nie von oben herab und nicht unbedingt im Alleingang, sondern immer mit Blick darauf, was es schon gibt in Görlitz, auf mögliche Kooperationen und Gleichgesinnte.





